
Haupbahnhof - wie man's spricht
Ullallalla Schmidt, bis 2009 Bundesgesundheitsministerin, hat den lieblichen Singsang der Aachener Sprache in der Welt bekannt gemacht. Was viele aber nicht wissen: Der Öcher spricht nicht nur melodisch, sondern auch äußerst sparsam. Nicht im Sinne von wortkarg, aber manche Buchstaben des Alphabets artikuliert er völlig anders als vorgesehen, manche überhaupt nicht.
So ist zum Beispiel das "g" im Wort "Segelflugzeug" ein wunderbares Beispiel dafür, wie der Aachener den gleichen Konsonanten im selben Wort auf drei völlig unterschiedliche Weisen zum Klingen bringen kann: "Sejelfluchzeusch".
In die zweite Kategorie fällt der Buchstabe "t", der auslautend entweder völlig verschluckt wird wie in Arz, Obs, Pos oder Kuns, aber auch mitten im Wort bisweilen spurlos verschwindet wie in Künsler, Miwoch (2) oder Haupossam (3).
Und nicht einmal vor Familienmitgliedern macht die Öcher Sprachoptimierung Halt, wie Tammaria gerne bestätigen wird.
Dem Beispiel folgend, hat die Deutsche Bahn jetzt als Pilotprojekt für eine neue Regionalisierungs-Offensive am Aachener Hauptbahnhof die Leuchtreklame der örtlichen Phonetik angepasst.
Im Inneren soll demnächst auch der oft kopfschüttelnd belächelte "Service Point" verschwinden und durch ein neues Schild ersetzt werden: "AUSKUNF".
Gesehen am 18. April 2010 am Aachener Haupbahnhof.
Kollege Lothar Lenz (WDR), ebenfalls Öcher, weist völlig zu Recht darauf hin, dass sich weiteres Einsparpotenzial für die Deutsche Bahn durch Ausschalten des Buchstabens "p" ergäbe, da nicht wenige Aachener im Zusammenhang mit dem Gebäude auch gerne vom "Haubahnhof" - mit Betonung auf der ersten Silbe - sprächen.
(Die ungewöhnliche Betonung am Wortanfang dient vermutlich der besseren Unterscheidung des "Haubahnhofs" vom benachbarten "Wessbahnhof" an der Strecke nach "Mönchenglabbach".) |